Afilio-Ratgeber – Rentenerhöhung

Liebe KiezBlatt.de Leserinnen und Leser – Afilio schrieb uns zur „Kräftige Rentenerhöhung im Juli – was bleibt nach Inflation und Steuern?“ wie folgt:

Über 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland dürfen sich im Juli über eine kräftige Erhöhung ihrer Renten freuen. Mit bis zu 6,12 % ist das die größte Rentenerhöhung seit Jahrzehnten. Wer bis zum März 2004 in Rente ging, erhielt die Bezüge sogar bereits Ende Juni ausgezahlt.
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Im Westen ist die Steigerung mit 5,35 % etwas geringer, als im Osten. Der Unterschied liegt darin begründet, dass das Rentenniveau in Ost und West noch nicht ganz angeglichen ist. Nach der Wiedervereinigung lag das Niveau der Renten im Osten im Vergleich zum Westniveau noch bei 40 %. Seitdem werden die Rentenniveaus durch eine stärkere Steigerung der Ost-Renten angeglichen. Dieser Prozess soll bis 2025 abgeschlossen sein, der aktuelle Wert beträgt 98,6 %.

Konkret ergeben sich folgende Erhöhungen. Monatliche Rentensteigerung bei bisher

500 €: 26,75 € (West); 30,60 € (Ost)
700 €: 37,45 € (West); 42,84 € (Ost)
1.000 €: 53,50 € (West); 61,20 € (Ost)
1.500 €: 80,25 € (West); 91,80 € (Ost)
2.000 €: 107,00 € (West); 122,40 € (Ost)

Nachholfaktor wieder eingeführt

Eigentlich wäre die Rentenerhöhung noch höher ausgefallen, doch die Wiedereinführung des sogenannten Nachholfaktors hat die Erhöhung um 1,17 Prozentpunkte gemindert. Die Renten werden jährlich anhand einer Formel berechnet. Das Ergebnis der Berechnung kann auch eine Kürzung sein. Die Kürzung wird aber durch die gesetzlich verankerte Rentengarantie verhindert – die schwarze 0 bleibt immer erhalten. Der Nachholfaktor sorgt dafür, dass in diesem Fall die berechnete Kürzung von zukünftigen Erhöhungen abgezogen wird. Eigentlich sollte der Nachholfaktor bis 2025 ausgesetzt werden. Jetzt wurde er wieder eingeführt und die 2021 eigentlich erforderliche Kürzung nachgeholt.
Rentenerhöhung niedriger als Inflation

Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die Inflation in Deutschland im Mai bei 7,9% – ein Höchstwert seit 1973. Preise für Lebensmittel sind sogar um 11% und für Energie um 38% gestiegen. Insbesondere für Rentner mit niedrigem Einkommen, bei denen Kosten für Lebensmittel und Energie einen Großteil der Ausgaben ausmachen, ist die Rentenerhöhung also viel geringer, als die Steigerung der Lebenshaltungskosten. Deshalb wird derzeit über weitere Entlastungsmöglichkeiten diskutiert.
Was ändert sich bei den Steuern?

An den gesetzlichen Regelungen ändert sich nichts. Trotzdem müssen mehr Rentner Steuern zahlen. Das ist der Fall, wenn die Summe aller Einkünfte über dem Grundfreibetrag liegt. Das trifft auf etwa ein Viertel der Rentenhaushalte zu. Der Freibetrag liegt in 2022 bei 10.347 € für Ledige und 20.694 € für Verheiratete. Da der Freibetrag jährlich reduziert wird und die Renten gleichzeitig steigen, sind immer mehr Rentner steuerpflichtig und müssen eine Steuererklärung abgeben (unsere Empfehlung: WISO Steuer). Abhängig vom Jahr des Renteneintritts müssen zwischen 50% (Eintritt bis 2005) und 82% (Eintritt 2022) versteuert werden. Der Steuersatz liegt je nach Rentenhöhe zwischen 14% und 45% zzgl. Kirchensteuer (Soli entfällt seit 2021).
PMM


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