Petition gegen Junkfood-Kindermarketing

Aktivist:innen von foodwatch haben am Montagvormittag vor dem Willy-Brandt-Haus in Berlin die SPD aufgefordert, bei den Koalitionsverhandlungen ein Werbeverbot für ungesunde Kinder-Lebensmittel durchzusetzen.

Die Verbraucherorganisation übergab eine von rund 38.000 Bürger:innen unterzeichnete Petition und erinnerte die SPD an ihr Wahlversprechen, Kindermarketing beschränken zu wollen. Dieses Versprechen dürfe bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen nicht unter den Tisch fallen, mahnte foodwatch. Seit Jahren fordern medizinische Fachgesellschaften, Kinderärzt:innen und Verbraucherverbände verbindliche Maßnahmen für eine gesunde Ernährung. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Lebensmittelindustrie seien gescheitert, denn nach wie vor enthielten 85 Prozent der Kinderprodukte zu viel Zucker, Fett oder Salz, so foodwatch.

„Kindergesundheit ist nicht verhandelbar, Herr Scholz! Die SPD muss Wort halten und ein Verbot von Kinderwerbung für ungesunde Lebensmittel klar im Koalitionsvertrag verankern“, sagte Saskia Reinbeck von foodwatch. „Wer weiter auf wirkungslose freiwillige Selbstverpflichtungen setzt, gefährdet wissentlich die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen!“

Saskia Reinbeck von foodwatch übergibt 38.000 Unterschriften an Christina Schildmann, Abteilungsleiterin Inhalte und Impulse des SPD-Parteivorstands (rechts im Bild).

Im SPD-Wahlprogramm heißt es: „An Kinder gerichtete Werbung wollen wir reglementieren.“ In einem Beschluss des SPD-Parteivorstands vom Mai steht: „Wir wollen Eltern die Sorge für eine gesunde Ernährung ihrer Kinder erleichtern und an Kinder gerichtetes Marketing für ungesunde Produkte wie Süßigkeiten, Softdrinks, und Fastfood untersagen.“ Auch die Grünen sprechen sich in ihrem Wahlprogramm für Beschränkungen aus: „Für Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet, wollen wir klare Regeln, die sich an den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation orientieren.“ Im Programm der FDP ist lediglich von Ernährungsbildung in Kindertagesstätten und Schulen die Rede. Laut foodwatch sollten nur diejenigen Lebensmittel an Kinder beworben werden dürfen, die den Nährwertempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entsprechen oder beim Nährwert-Logo Nutri-Score die beste Bewertung (A) haben.

Im Kampf gegen Fehlernährung setzt die Bundesregierung bislang auf freiwillige Vereinbarungen der Industrie. Bereits 2007 haben die großen Lebensmittelkonzerne Europas mit dem „EU Pledge“ zugesichert, ihre Lebensmittelwerbung verantwortungsvoller zu gestalten und kein Junkfood mehr an unter 12-Jährige zu vermarkten. Eine aktuelle Marktstudie von foodwatch zeigt jedoch, dass diese Strategie gescheitert ist: Demnach enthalten nach wie vor 242 von 283 untersuchten Kinderprodukten (85,5 Prozent) zu viel Zucker, Fett oder Salz. Sie sind nach Kriterien der WHO unausgewogen und sollten nicht an Kinder vermarktet werden.

Fehlernährung ist bei Kindern und Jugendlichen weit verbreitet. Daten des Robert Koch-Instituts zufolge verzehren Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren im Schnitt nicht einmal halb so viel Obst und Gemüse, aber mehr als doppelt so viele Süßwaren oder Snacks wie empfohlen. Aktuell gelten etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen als übergewichtig und sechs Prozent sogar als fettleibig – ihnen drohen im späteren Lebensverlauf Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Gelenkprobleme, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Etwa jeder fünfte Todesfall in Deutschland ist laut Angabe der OECD insbesondere auf eine ungesunde Ernährung zurück zu führen.

www.foodwatch.de


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