Durchgangsverkehr verhindern!

Kiezblock Auguste Viktoria Allee (AVA)! – Die Kiezblock-Bewegung erreicht Reinickendorf

Gibt es eine Möglichkeit, wie der Durchgangsverkehr in unseren Nachbarschaften verringert oder sogar unterbunden werden kann und trotzdem jedes Haus gut mit dem Auto erreichbar bleibt?

Eine Idee sind die sogenannten „Kiezblocks“, die die Durchquerung eines Kiezes für den Durchgangsverkehr unattraktiv machen und trotzdem Autos von Anwohnenden sowie Polizei und Feuerwehr, Müllabfuhr, Umzüge und Lieferdienste durchlassen. Durch intelligente Verkehrsführung wird jedes Kfz wieder in die Richtung aus dem Kiez hinausgeführt, aus dem es gekommen ist. Durchgangsverkehr findet somit nicht mehr statt, sondern bleibt auf den umgebenden Hauptstraßen.

Für einen Kiezblock im Wohngebiet rund um die Auguste Viktoria Allee in Reinickendorf veranstaltete der VCD Nordost in Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement AVA und dem Jugendclub Quäx einen ersten Workshop „Kiezblock AVA“.

Acht engagierte Bürger*innen waren dieser ersten Einladung in den Hof des Jugendzentrums „Laiv“ gefolgt. Nach einer Einführung von Heiner von Marschall, Landesvorsitzender des VCD Nordost, was Kiezblocks sind, woher die Idee stammt und mit welchen einfachen, schnellen und kostengünstigen Mitteln der Durchgangsverkehr durch Wohngebiete verhindert werden kann, beugten sich die Teilnehmenden selbst über Karten ihres Wohngebietes, entwickelten Ideen und zeichneten sie auch gleich auf den Karten ein.

Ergebnis: mit nur drei kleinen baulichen Maßnahmen, konkret zwei Diagonalsperren und einem Modalfilter, sowie zwei verkehrlichen Anordnungen von Einbahnstraßen könnte der gesamte Durchgangsverkehr im Wohngebiet zwischen den umgebenden Hauptstraßen Waldstraße, Ollenhauerstraße, Scharnweberstraße und Eichborndamm wirksam verhindert werden.

Die Anwohner*innen wünschten sich darüber hinaus, den kurzen Abschnitt der Auguste Viktoria Allee zwischen Am Mellerbogen und Schillingstraße zu einem zentralen Kiezplatz umzugestalten, der für Kfz-Verkehr vollständig gesperrt wäre.

Die Teilnehmenden beschlossen, unter ihren Nachbarn für die Idee eines „Kiezblock AVA“ zu werben und für Oktober zu einem Folgetermin einzuladen. Ziel wäre es, für die Umsetzung der von Anwohner*innen erstellten Pläne für einen „Kiezblock AVA“ einen Einwohnerantrag an den Bezirk zu stellen. Nötig wären dafür 1000 Unterschriften, unterschriftsberechtigt sind alle volljährigen Einwohner*innen des Bezirks Reinickendorf.

Starker Durchgangsverkehr schränkt das Leben von Anwohnern stark ein und bedeutet Lärm, schlechte Luft und weniger Verkehrssicherheit, besonders für Kinder und alte Menschen.

Die Berliner #Kiezblocks nehmen Ideen aus den Superblocks aus Barcelona auf und kombinieren sie mit den niederländischen „Kompartments”. Es gibt in Berlin bereits viele Initiativen zu #Kiezblocks. Anwohner*innen skizzieren, wie der Verkehr durch ihr Wohnviertel fließen soll, und die Konzepte werden dann den zuständigen Bezirken vorgelegt.

Weniger Kfz-Verkehr in den Quartieren bedeutet weniger schädliche Luft- und Lärmemissionen. Die Aufenthaltsqualität für Anwohner*innen und Anlieger*innen steigt, und die Straßen werden sicherer. Für Fuß- und Radverkehr werden die Verbindungen attraktiver und zeitsparender. Auch Lieferverkehre profitieren von der Verkehrsvermeidung in den Nebenstraßen, wenn der Durchgangsverkehr wegfällt.

Der Durchgangsverkehr wird mittels sog. Diagonalsperren innerhalb des Kiezblocks verhindert. Eine Diagonalsperre sind 5–6 Poller (oder ähnliche Absperrungen), die diagonal in einer Kreuzung aufgestellt werden, so dass der Kfz-Verkehr nur nach rechts bzw. nach links abbiegen kann und im Ergebnis in der Richtung aus dem Kiezblock hinausgeführt wird, aus der er hereingekommen ist. Für Durchgangsverkehr ist das unattraktiv, sodass er unterbleibt. Fuß- und Radverkehr können weiterhin in allen Richtungen queren. Werden Diagonalsperren an wenigen
strategischen Kreuzungen in einem #Kiezblock aufgestellt, so verlagern diese den
Kfz-Durchgangsverkehr auf einfache und effektive Weise auf die Hauptstraßen. Stadtmöbel, wie Ruhebänke oder Spielgerüste, können aufgestellt werden.

Durch Schwellen kann der Kfz-Verkehr bei der Einfahrt in den #Kiezblock entschleunigt werden. Auch können Einbahnstraßen diesem Zweck dienen. Ergänzt durch verkehrsberuhigende Elemente wie Blumenkästen und Bäume entstehen Mischnutzungsflächen mit hoher Aufenthaltsqualität.

Heiner von Marschall, Landesvorsitzender
www.vcd-nordost.de

Der VCD (Verkehrsclub Deutschland) setzt sich ein für Mobilität für Menschen, ein positives Miteinander aller Verkehrsarten und eine ökologische Verkehrswende. Schwerpunkte sind dabei die Förderung des Umweltverbundes (ÖPNV, Fahrrad und Fußverkehr) und mehr Verkehrssicherheit gerade auch für die schwächeren Verkehrsteilnehmer: Kinder, Ältere und Menschen mit
Mobilitätseinschränkungen.
Der VCD Nordost ist der Landesverband für Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
PMM


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