Flugplatz Tegel > KiEZBLATT vom Februar 2013

Der TXL-“Macher“ >  Berlintxl.de
Nun ~ irgendwann kommt´s sicherlich!
Tegel ~ bald ENDE! ~ bald AUS!
Was dann?

Ja, liebe Leser/innen unser KiEZBLATT-Team machte sich gleich im neuen Jahr auf. Wir wollten mit dem „TXL-Macher“ sprechen. Wir wollten ihn fragen, was er zu tun gedenkt, sollten vielleicht doch noch eines Tages keine Flugzeuge mehr in Tegel starten und landen.

Nun, unser Gedanke und auch die Planung war gut, aber auch uns erwischte es mit unserem Termin ebenso kalt wie den BER.

In 10707, in der Lietzenburger Str. 107, sein Sitz in der Firma „Tegel Projekt GmbH“, also in der Mitte der City-West, bot sich lange keine „Landefläche“ an – doch dann endlich, drei Straßen weiter, erhielten wir „Landeerlaubnis“.

Also auf zu dem Mann, der in den nächsten Jahren der Macher über 461 ha Grund und Boden sein wird – der Tegel Ruhe bescheren wird, für kerosinfreie Luft sorgen wird, der möglicherweise bis zu 15.000 neue Arbeitsplätze schaffen kann, der Berlin mit seiner „URBAN TECH REPUBLIC“ an einen technologischen Spitzenplatz katapultieren wird.Wer ist dieser Mann?
Wo kommt er her und wie stellt er sich das vor?Für uns wichtige Fragen, denn diese große Fläche hat direkten Einfluss auf unser tägliches Dasein, nicht nur als Reinickendorfer, sondern auch. ?.
In einem renovierten Altbau mit großen hohen hellen Räumen trafen wir ihn, Herrn Dr. Philipp Bouteiller, den begeisterten Geschäftsführer der Firma „Tegel Projekt GmbH“,.

Herr Dr. Bouteiller, wer oder was ist die „Tegel Projekt GmbH“ und worin besteht Ihre Aufgabe?
Die „Tegel Projekt GmbH“ ist eine 100%ige Landesgesellschaft des Landes Berlin, mit dem Auftrag, auf dem Gelände des Flughafens Tegel nach dessen Schließung einen „Forschungs- und Industriepark für Zukunftstechnologien“ zu entwickeln und umzusetzen.
Die Gesellschaft wurde 2011 gegründet und hat Anfang Januar 2012 den operativen Geschäftsbetrieb aufgenommen. Geschäftsführer ist neben mir Hardy Rudolf Schmitz, zugleich Geschäftsführer der WISTA-MANAGEMENT GMBH, der Betreibergesellschaft des Wissenschafts- und Technologieparks Berlin Adlershof.

Gehören Sie einer Partei an?
Nein.

Warum sind Sie zur „Tegel Projekt GmbH“ gegangen?
In meiner Vita können sie nachlesen, dass Themen der Innovation mich stets begleitet haben. Ich arbeite gern an den Schnittstellen der Innovation, also zwischen dem, was technisch heute machbar ist und dem, was zukünftig möglich werden könnte. Das war auch schon so in meiner Zeit als Berater bei McKinsey.

Plante und träumte der Abiturient Bouteiller damals schon davon?
Nein, ich hatte mich zunächst stark für den Umweltschutz engagiert. Ich kam dann vor dem Mauerfall nach Berlin und studierte hier an der Hochschule der Künste (heute Universität der Künste Berlin, UdK) Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. Anschließend ging ich nach England, machte dort einen Masters of Science an der London School of Economics. Dort habe ich dann auch promoviert.

Persönlich – Sie sind verheiratet?
Ja – sehr glücklich. Ich habe zwei kleine Jungs, die viel Trubel in unser Leben bringen. Mein Familie ist auch mein Hobby.

Was machen Sie, wenn Sie an ihrem Schreibtisch sitzen?
Ich sitze eigentlich nicht viel am Schreibtisch. Ich bin sehr viel unterwegs und betreibe Aufklärungsarbeit. Ich gehe in die Stadt, spreche mit den Menschen auf Veranstaltungen, trage vor, rede vor Verbänden – kurzum, ich versuche dort zu sein, wo Weichen gestellt werden. Ich arbeite deshalb auch sehr eng mit der Verwaltung zusammen. Im Wesentlichen geht es um Abstimmung und Kommunikation.

Was empfehlen Sie für unsere jungen Leser/innen, die ihre Kariere planen, die ihren Job toll finden? Was sollten sie z.B. studieren?
Da möchte ich wirklich keine Empfehlung geben. Hätte ich auf die Empfehlungen meiner Eltern oder Großeltern gehört, wäre es eine ganz andere Karriere geworden. Vielleicht auch eine glückliche, das kann ich nicht beurteilen, aber eben anders. Manchmal hilft es auch, sich etwas Zeit zu lassen, denn erst mit dem Älterwerden merkt man, wo bei einem wirklich die Stärken und Schwächen liegen. Nur wenn jemand sehr früh eine eindeutige Begabung bemerkt, eine musikalische zum Beispiel, dann sollte man sich darauf fokussieren. Ich meine, man sollte vor allem an seinen Stärken arbeiten und sich bemühen, in einer Sache der oder die Beste zu werden.

Nun zu Ihrer, vom Berliner Senat beschlossenen und von ihnen umzusetzenden Aufgabe, aus dem „Flughafen Tegel“ nach dessen Schließung auf diesem Gebiet „Berlin TXL – THE URBAN TECH REPUBLIC“ zu entwickeln, zu gestalten, zu schaffen. Wie kam man zu der Zweckbestimmung, auf dieser Fläche urbane (städtische) Technologien zu erforschen, zu entwickeln und zu produzieren?
Es kommt immer wieder vor, das größere Flächen innerhalb einer Stadt frei werden. Diese werden entweder von städtischen Gesellschaften selbst entwickelt, oder man übergibt sie komplett an einen Immobilienentwickler.
Für eine Fläche der Größenordnung von Tegel gibt es aber nur wenige Vorbilder. Wir haben uns international umgesehen. Als reines Immobilienprojekt wird Tegel voraussichtlich keinen Erfolg haben. Vielmehr braucht so ein Standort ein klares Profil, eines, das potenzielle Investoren anspricht. So kam eine Beratungsgesellschaft 2011 im Rahmen einer Studie auf das Thema Urban Technologies. Das hat alle überzeugt und dann wurde das als Leitthema für die Entwicklung gesetzt. Außerdem haben wir gelernt, dass Industrie- und Innovationsparks nur dann wirklich erfolgreich waren, wenn sich im Zentrum ein wissenschaftlicher Kern befindet. Deswegen ist die Ansiedlung der „Beuth Hochschule für Technik“ ein so immens wichtiges Signal. Um diesen wissenschaftlichen Kern herum können sich dann Unternehmen ansiedeln. Am Ende geht es darum, Arbeitsplätze zu schaffen. Das ist auch nicht nur für den Kiez wichtig. Wir verstehen Berlin TXL nicht nur als ein Berliner Projekt, sondern als ein gesamtdeutsches.

Es gibt noch keinen Ort in Deutschland für Urbane Technologien, für das, was die Stadt von Morgen ausmacht. Eigentlich sollten Sie ja schon losgelegt haben, aber der Flughafen ist immer noch nicht geschlossen. Was bedeutet das für Sie?
Für uns hat das zunächst noch keine Auswirkung, weil das unseren Zeithorizont nur bedingt tangiert. Wir sind im Augenblick damit befasst, den Gesamtplan („Masterplan“) in Baurecht umzusetzen. Das ist hochkomplex und anspruchsvoll. Wir sind mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Terminplan so aufgestellt, dass wir etwa in der zweiten Jahreshälfte 2014 mit ersten verbindlich festgesetzten Teilbebauungsplänen rechnen können. Somit könnten wir vor Ende 2014 auf dem Gelände ohnehin nichts machen, außer Mieter für die Bestandsgebäude zu suchen. Aber das ist nicht unsere Kernaufgabe. Aufgrund der späteren Schließung können wir uns nun stärker auf unsere Kernaufgabe, nämlich die Erschließung und Vermarktung des gesamten Geländes, fokussieren. Dabei sind unsere Erschließungspläne in Etappen von jeweils fünf Jahren angelegt.

Was passiert, wenn der BER dann immer noch nicht offen ist?
Wenn es deutlich später werden sollte als 2015 müssten wir uns irgendwann neu aufstellen …

Das war Teil 1/2 ~ weiter geht´s im KiEZBLATT März 2013

Steckbrief vom TXL
Eigentumsverhältnisse: 159 ha Berlin (34 %), 302 ha Bund (66 %)
Flugfeld: Länge Start- und Landebahnen 3,0 km / 2,4 km
Gebäude: 98, davon 66 in Tegel Nord und 33 Gebäude in Tegel Süd
Architekten: Gerkan, Marg und Nickels, erbaut 1969 – 1976
Größe: 461 ha Flughafengelände Landschaftsraum/Freiflächen: ca. 230 ha Zukünftige Bauflächen: ca. 230 ha

Wir fragten Herrn Dr. Bouteiller > BER hin oder her, es geht für Sie also sowieso erst Ende 2014 los, da ihre Vorbereitungen frühestens bis dahin abgeschlossen sein werden – also vermieten Sie zuerst die vorhandenen Immobilien?
Jein ~ wir versuchen möglichst alles so schnell wie möglich der end-gültigen und dauerhaften Nutzung zuzuführen. Formal wird es also zu Umnutzungen des Bestandes kommen, d.h. wir müssen erst mal Bauanträge für die Umbauten stellen. Aber es ist richtig, dass das in den Bestandsgebäuden schneller möglich sein wird, es also dort zuerst zu Vermietungen kommen wird.

Was wäre geschehen, wenn der Flugplatz jetzt schon geschlossen wäre?
Wir hätten dann sofort unsere Planung zur Zwischennutzung umgesetzt, d.h. wir hätten, neben der Verwaltung des Leerstands und dem Schutz des Geländes, schnelle Zwischenvermietungen mit niedrigschwelligen Renovierungen ermöglichen müssen, um zügig entsprechende Deckungsbeiträge zu erwirtschaften.

Sie müssen dann also erst einmal für die Erschließung des Geländes sorgen. Was heißt das?
Der Straßenraum zu den Baufeldern muss mit Gas, Wasser, Strom, Abwasserkanälen versorgt werden.

Wann könnten Sie frühestens mit Baumaßnahmen beginnen?
Je nach Witterungslage könnten die ersten Baumaßnahmen im Frühjahr 2015 erfolgen.

Was ist denn bereits jetzt schon so gut wie Fakt?
Fakt ist, dass wir viel schneller in die Investitionsphase gehen können, als wir alle dachten, dass wir schon jetzt die Zusage vom Senat haben, 70 Millionen € in den Umbau der Terminals für die „Beuth Hochschule“ investieren zu können und schon jetzt einen kompletten Masterplan vorliegen haben, der eine breite Unterstützung erfährt.

Was bedeutet die Verzögerung der BER-Schließung für ihre Personalplanung?
Wir haben unsere Personalplanung dahingehend geändert, dass wir uns vorerst weniger mit dem Immobilienvertrieb befassen, sondern zunächst vor allem die Planungen für die Erschließung und die Bebauungspläne vorantreiben, und mit unserer Kernmannschaft verstärkt an der Profilierung der „Urbanen Technologien“ arbeiten, internationale Allianzen schließen, auf Messen präsent sein werden.

Wie groß ist Ihre Kernmannschaft?
Bis zur Schließung werden wir unsere Aufgaben mit ca. 12 Mitarbeitern umsetzen können. Danach werden wir ca. 20 Mitarbeiter sein. Ich freue mich, sagen zu können, dass ich hier das beste und kompetenteste Team habe, mit dem ich je zusammen arbeiten durfte.

Spitzenprojekt gleich Spitzengehälter?
(Lacht.) Wir sind als Landesgesellschaft gehalten, uns nicht an den Maßstäben der freien Wirtschaft zu orientieren. Wir alle, ich mit eingeschlossen, mussten uns da schon entscheiden. Wir haben uns für „Berlin TXL – THE URBAN TECH REPUBLIC“ entschieden. Es fiel uns leicht, hinter diesem, für Berlin bedeutenden, Projekt zu stehen. Es macht uns einfach Spaß.

Wer kommt denn in den Genuss ihres Wirkens?
Zum Einen die lokale Wirtschaft, was z.B. die Vergabe vieler Aufträge betrifft. Wenn es um Ansiedlung geht, dann spreche ich aber den globalen Markt an, dann mache ich das so international wie es geht.

Wie sind Sie zeitlich aufgestellt?
Unser Ziel ist es, uns am Ende überflüssig zu machen, sprich, ab dem Zeitpunkt, zu dem ca. 50 Prozent des zu erschließenden Geländes unter Dach und Fach sind. Das wird bei solch einem Projekt in ca. 15 – 20 Jahren der Fall sein.

Um welche Größe handelt es sich?
Das gesamte Planungsgebiet, einschließlich Cité Pasteur, ist ca. 491 ha groß, das reine Flughafengelände 461 ha. Davon werden ca. 220 ha durch uns erschlossen. Das Land Berlin hat darüber die Planungshoheit. Für die Grundstücksverkäufe sind letztlich die Eigentümer zuständig, nämlich zu einem Drittel das Land Berlin und zu zwei Dritteln der Bund, vertreten durch die BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben). Allerdings sollten alle Ansiedlungen „profilkonform“ sein, d.h. mit einem Kriterienkatalog zu „Urbanen Technologien“ übereinstimmen, den wir mit unserem Auftraggeber abgestimmt haben.
Im östlichen Teil, Richtung „Kutschi“, wird auf einer Fläche von ca. 15 ha noch in diesem Jahr ein städtebaulicher Wettbewerb stattfinden, bei dem es um ein Mischgebiet mit Schwerpunkt Wohnnutzung geht.

Was unseren Reinickendorfer Handel besonders interessiert, ob sichergestellt ist, dass im Planungsverfahren kein Einkaufszentrum vorhanden ist?
Das ist im bisherigen Planungsverfahren sichergestellt.

Wie sieht es mit Fördermitteln der EU aus?
Was die gewerbliche Erschließung betrifft, können wir in gewissem Umfang Fördermittel erhalten. Ein paar Anträge laufen bereits und einige sind auch schon bewilligt worden. Wir können z.B. im Straßenbau von einer Förderung von bis zu 90% ausgehen, wobei diese Grenzen in den nächsten Jahren vermutlich eher nach unten gehen werden. Unseren potentiellen Interessenten stehen wir natürlich auch mit unserem Know-how zur Seite und können diese dann auf entsprechende Kontaktstellen verweisen, mit denen wir eng zusammenarbeiten.

Wo bleibt der soziale Aspekt – die Anwendung einer Sozialverträglichkeit in ihrem Projekt?
Sozialwissenschaftliche Begleitung ist ein wichtiger Aspekt unseres Projekts, nicht zuletzt, um sicherzustellen, dass die neuen Technologien auch soziale Akzeptanz finden. Und im Rahmen der Hochschulansiedlung wollen wir darauf achten, dass auch die sozialwissenschaftlichen Studiengänge entsprechend berücksichtigt werden. Genauso wichtig ist für mich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern – eine angemessene Frauenquote wird man übrigens mit rein technischen Studiengängen eher nicht erzielen können.

Für welche Themen liegen bereits Pläne und Konzepte vor, die wir unseren Lesern dann vorstellen können?
Im Wesentlichen für die Bereiche Energie, Wasser, Mobilität, Recycling, Werkstoffe, Informations- und Kommunikationstechnologie.

Unser Tipp > In Tegel-City, auf dem Brunnenplatz, gibt es einen Info-Pavillon. Könnten Sie die Bürger dort nicht mit entsprechendem Material auf Ihre Arbeit aufmerksam machen, um in diesem Zusammenhang für weitere Transparenz für „Berlin TXL – THE URBAN TECH REPUBLIC“ zu sorgen?
Vielen Dank für den Hinweis – natürlich können wir das gern machen.

Herr Dr. Bouteiller, herzlichen Dank, auch im Namen unserer Leserinnen und Leser, dass sie sich die Zeit für dieses Interview nahmen.
Wir drücken Ihnen und Ihrem Team fest die Daumen und wenn Sie weiter Öffentlichkeit in Reinickendorf brauchen – Anruf genügt. – Ihr „KiEZBLATT & KiEZBLATT.de“ – Team

HiNWEiS:
Dieses Interview erschien im KiEZBLATT Februar und März 2013


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