Im KiEZBLATT Interview –

Guten Tag Herr Stadtrat Brockhausen – vielen Dank, dass Sie sich in diesen „Ausnahmezeiten“ zusätzlich für unsere KiEZBLATT-Leserinnen & -Leser für dieses Interview Zeit genommen haben!

KiEZBLATT:
Der erste VirenHype ist vorüber und nun können und sollten wir „Backstage“ gehen. Fakten klären wie – packt unser BA diese Pandemie Herausforderung – läuft eigentlich unsere übliche notwendige bezirkliche Verwaltung in Ihrem Bereich noch „rund“?

Wir arbeiten im Bezirksamt weiterhin mit höchster Priorität daran, dass die Ausbreitung des Coronavirus auch in unserem Bezirk verlangsamt bzw. minimiert wird. Es ist unser Ziel, die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens und insbesondere unserer Krankenhäuser zu erhalten. Mit unseren Fachleuten im Gesundheitsamt und in einem dafür errichteten Lagezentrum mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen der Bezirksverwaltung arbeiten wir mit Hochdruck daran, allen erkrankten Personen eine Quarantäneanordnung zukommen zu lassen und Kontaktpersonen zu identifizieren sowie nachzuverfolgen. So haben wir bereits weit mehr als 2.000 Quarantänean-ordnungen ausgesprochen. Das Bezirksamt hat auch eine besondere Corona-Hotline eingerichtet, um unsere Bürgerinnen und Bürger zu beraten und zu unterstützen. Die letzten Wochen waren schon eine gewaltige Kraftanstrengung und Herausforderung. Und so muss es nach meiner Überzeugung auch weitergehen. Wenn wir aktuell über notwendige Lockerungen in den verschiedensten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen diskutieren, muss uns immer bewusst sein, dass die Pandemie noch lange nicht überwunden ist und wir hellwach sein müssen. Dass wir im Katastrophenfall sehr effizient und schnell handeln können, haben wir in den letzten Wochen in Reinickendorf unter Beweis gestellt.

KiEZBLATT:
Sie sind ja für Reinickendorf der höchste Verantwortliche für Gesundheit, Wirtschaft, Integration und Soziales. Was hat das Virus alles in Ihren Abteilungen „auf den Kopf gestellt“? Das auch Ihre Abteilung Wirtschaft betroffen ist, das ist uns nun ja allen klar aber Ihre Bereiche Integration und Soziales können Sie doch bis auf weiteres ruhen lassen?

Selbstverständlich haben wir uns in dieser schwierigen Zeit auf die wichtigsten Aufgaben konzentriert. Unnötige oder aufschiebbare Angelegenheiten können und müssen bei der wichtigen Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus zurückstehen. Das Bezirksamt muss den Bürgerinnen und Bürgern für zwingend notwendige Angelegenheiten und existenzsichernde Fragen natürlich weiterhin zur Verfügung stehen. Insoweit haben wir zum Beispiel Notdienste und existenzsichernde Leistungen im Amt für Soziales bereitzustellen. Gerade in Krisenzeiten ist auch eine schnelle Information und Kommunikation auf allen Ebenen sicherzustellen. Uns erreichen zum Beispiel Fragen, ob und inwieweit Einrichtungen und Träger ihre soziale Arbeit aufrechterhalten können. Insoweit können wir also die Arbeit nicht einfach „ruhen“ lassen, sondern müssen die auch in Krisenzeiten notwendigen Aufgaben natürlich wahrnehmen.

KiEZBLATT:
Wie sieht die Lage bei Neuinfektionen in Reinickendorf insgesamt aus?

Wir haben in Reinickendorf zum gegenwärtigen Zeitpunkt 428 Covid-19-Fälle (Stand 24.04.2020). Die Neuinfektionszahlen sind nicht nur in Reinickendorf, sondern insgesamt erfreulich niedrig. Aber auch hier möchte ich betonen, dass dies eine Momentaufnahme ist. Wir müssen uns jederzeit auf andere Entwicklungen einstellen können und entsprechend handeln. Es gibt keinerlei Anlass, sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt zurückzulehnen oder auszuruhen. Wir haben die Pandemie nicht überwunden, sondern müssen, solange keine Impfstoffe zur Verfügung stehen, die Ausbreitung des Virus nach wie vor eindämmen.

KiEZBLATT:
Wie ist es mit dem Budget Ihrer Abteilungen bestellt – reicht es oder gibt es Probleme mit dem Reinickendorfer Haushalt?

Wir können auf der Grundlage des beschlossenen Bezirkshaushaltsplans Reinickendorf im Bezirksamt sehr gut arbeiten und verfügen aktuell über ein ausreichendes Budget für unsere Arbeit. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir hier noch vor großen Herausforderungen stehen werden. Die durch die Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise, fehlende Einnahmen und zum Beispiel auch die Finanzierung der Maßnahmenpakete für die Wirtschaft, um Arbeitsplätze zu schützen und Unternehmen zu unterstützen, werden Auswirkungen auf den Landeshaushalt und damit auch auf den Bezirkshaushalt haben. Insoweit gehe ich davon aus, dass wir in den nächsten Monaten richtungsweisende Entscheidungen in der Politik treffen müssen, wie wir den Staatshaushalt weiter finanzieren und die notwendigen Ausgaben weiterhin bestreiten können.

KiEZBLATT:
Wie kommunizieren Sie zur Zeit mit Ihren Mitarbeitern – doch nicht immer wie auf dem letzten Foto gezeigt, auf dem Rasen?

Die Kommunikation läuft ganz überwiegend per Email oder telefonisch. Im Einzelfall treffen wir uns aber auch zum Beispiel für Lagebesprechungen, bei denen dann sehr genau auf die notwendigen Abstands- und Hygieneregeln geachtet wird. Verschiebbare Routine- oder Leitungsrunden finden zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht statt. Auch wir müssen unsere physischen sozialen Kontakte auf das zwingend erforderliche Minimum reduzieren.

KiEZBLATT:
Hat sich jetzt zum Ende April der Arbeitsrythmus eingespielt – gab es, gibt es Überstunden?

Natürlich haben viele Kolleginnen und Kollegen weit über die normalen Dienstzeiten gearbeitet oder mussten auch am Wochenende oder über Ostern im Einsatz sein. Es ist eine außergewöhnliche Belastungssituation. Ich bin den Kolleginnen und Kollegen für ihren großartigen Einsatz sehr dankbar. Wir haben bewiesen, dass wir flexibel sind und auch Krisensituationen meistern können.

KiEZBLATT:
Ihre Abteilung Gesundheit wurde ja – wie das KieZBLATT berichtete – mit einem „Lagezentrum“ ergänzt, hat dieses bisher seine Erwartungen erfüllen können oder musste nachgesteuert werden?

Hat die Anzahl der erforderlichen Mitarbeiter bisher ausgereicht oder konnte aufgestockt werden und wie konnten die „neuen“ so schnell sach- und fachkundig gemacht werden?
Das Lagezentrum hat sich bewährt und dort ist eine ausgezeichnete Arbeit geleistet worden. Zur Unterstützung des Gesundheitsamtes sind zeitweise fast 80 Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen des Bezirksamtes eingesetzt worden. Wir haben darüber hinaus eine große Anzahl von Mitarbeitern für einen entsprechenden Einsatz vorbereitet. Insgesamt sind wir jederzeit in der Lage, diesen Bereich im Bedarfsfall zu verstärken. Aktuell können wir angesichts der relativ entspannten Situation bei Neuinfektionen und einem überschaubaren Beratungsbedarf sogar einzelne Kolleginnen und Kolleginnen wieder an anderer Stelle einsetzen. Ich bin also sehr zufrieden mit der aktuellen Situation und möchte mich gerne an dieser Stelle für die ausgezeichnete abteilungsübergreifende Zusammenarbeit bedanken. Wir haben gemeinsam die richtigen Prioritäten im Rathaus gesetzt und sind sehr gut auf alle Notwendigkeiten vorbereitet.

KiEZBLATT:
Beruht Ihr Handeln auf Senatsweisungen oder hauptsächlich auf Ihren Entscheidungen?

Selbstverständlich müssen wir uns im Land Berlin mit den zuständigen Senatsverwaltungen sehr eng abstimmen und auch in Krisenzeiten auf ein möglichst berlineinheitliches Handeln hinwirken. Es wäre mir nicht nachvollziehbar, wenn gleiche Fälle anders behandelt werden, nur weil man die Bezirksgrenzen in Berlin verlassen hat. Hier hat der Senat auch eine wichtige Steuerungsfunktion. Ich möchte aber in diesem Zusammenhang hervorheben, dass wir für unseren Bezirk die Verantwortung tragen und selbstverständlich den gesetzlichen Regelungen verpflichtet sind. Insoweit werden wir diese Verantwortung wahrnehmen und ggf. in einem begründeten Einzelfall auch so entscheiden wie wir es für richtig und notwendig halten.

KiEZBLATT:
Herr Stadtrat – wie gehen Sie persönlich mit der Corona-Situation um?

Ich glaube, dass es mir hier persönlich wie allen anderen Menschen auch geht. Ich bedauere sehr, dass wir unsere Sozialkontakte auf ein Minimum reduzieren müssen und weit von unserem gewohnten Leben entfernt sind. Ich hoffe sehr, dass wir diese einschneidenden Einschränkungen bald überwunden haben. Es gibt aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Anlass hier nachlässig oder unachtsam zu werden. Wir werden diese schwierige Zeit nur gut überstehen, wenn wir hier alle gemeinsam Verantwortung übernehmen. Daher möchte ich auch persönlich Ihre Leserinnen und Leser an dieser Stelle herzlich bitten, die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen und Abstandsregelungen sowie die Hygieneregeln wirklich weiter sehr ernst zu nehmen.

Vielen Dank Herr Stadtrat und bleiben Sie GESUND
– Ihr KiEZBLATT.


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