Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer

Greenpeace, ADFC und VCD hatten für den 23.5. zu einem bundesweiten Aktionstag für Pop Up Radwege aufgerufen. Gemeinsam mit lokalen initiativen fanden in Berlin in vier Bezirken Aktionen statt.

„Es geht nicht darum, Autoverkehr zu verbieten. Es geht darum, die begrenzte Verkehrsfläche gerechter aufzuteilen, damit alle, auch die schwächeren Verkehrsteilnehmer, sicher und unbedrängt an ihr Ziel kommen“ erklärt der Landesvorsitzende des VCD Nordost, Heiner von Marschall, auf der Kundgebung am Samstag Vormittag in der Berliner Straße in Tegel.

Dringender Handlungsbedarf besteht während der Corona-Krise. Auf den schmalen Bürgersteigen ist es schlicht unmöglich, das Abstandsgebot von 1,5 Metern einzuhalten. Das gilt umso mehr, da sich vor vielen Geschäften regelmäßig Schlangen bilden, die auf Einlass warten.

Der bisherige Parkstreifen wurde von der Demonstration für den Fußverkehr reklamiert, auch um Wartebereiche vor Geschäften einzurichten oder Außengastronomie zu ermöglichen.

Auf dem mittleren Fahrstreifen hatten ADFC und VCD einen temporären Radstreifen ausgerollt, der von den vielen teilnehmenden Fahrradfahrenden auch gleich begeistert angenommen wurde.

Eva Marie Plonske, Grüne Abgeordnete aus Reinickendorf, erklärte, die Senatsverwaltung habe ihre Hausaufgaben gemacht, indem sie Regelpläne für die temporäre Einrichtung von Radverkehrsanlagen vorgelegt hatte: https://www.berlin.de/senuvk/verkehr/politik_planung/rad/infrastruktur/download/Regelplaene_Radverkehrsanlagen.pdf

Nun seien der Bezirk gefordert, dies auch umzusetzen. Aufgrund des 2018 verabschiedeten Berliner Mobilitätsgesetzes müssen ohnehin bis spätestens 2030 an allen Hauptverkehrsstraßen sichere Radverkehrsanlagen entstehen.

Warum sollte in Reinickendorf unmöglich sein, was uns andere Bezirke bereits vormachen?

Für die Initiative Waldseeviertel forderte Michael Ortmann, den Kfz-Verkehr auf die Hauptstraßen zu konzentrieren. Dies sei kein Widerspruch zu sicheren Radverkehrsanlagen gemäß Mobilitätsgesetz.

Marie-Anne Lamberti für die ADFC Stadtteilgruppe, Felix Lederle für die Linksfraktion und Jens Augner für die Grüne Fraktion in der BVV schilderten, wie alle ihre Vorschläge zu Verbesserungen für den Radverkehr in Reinickendorf abgeschmettert wurden.

Für den VCD Nordost erklärte Heiner von Marschall abschließend unter Beifall: „Das größte Problem für die nötige Mobilitätswende sind die Parkplätze. Diese Flächen brauchen wir in der Stadt für bessere Nutzungen, insbesondere für schwächere und gefährdete Verkehrsteilnehmer. Parken kann man in Parkhäusern und auf Kundenparkplätzen.“ In der Berliner Straße haben die Autos insgesamt sechs Fahrstreifen zur Verfügung. Die Gehsteige sind für eine Einkaufsstraße viel zu schmal. Radverkehrsanlagen existieren überhaupt nicht, das Fahren auf der Fahrbahn wird als bedrängend und gefährlich empfunden.

„Weniger Lärm, bessere Luft, mehr gegenseitige Rücksichtnahme“ erinnerte Heiner von Marschall daran, wie der Straßenverkehr im März und April aussah. „Und weniger Verkehrstote: zwei Monate lang wurden in Berlin keine Fußgänger oder Fahrradfahrer totgefahren. Das wünschen wir uns dauerhaft, auch ohne Pandemie!“

Zum Abschluss der Demonstration wurde es plötzlich ungewohnt ruhig in der Berliner Straße. Eine angenehme Stille breitete sich aus. Passanten schauten ungläubig, ob sie jetzt einfach die Straße überqueren könnten, um die Geschäfte auf der Gegenseite zu erreichen. Was war geschehen?

Für den abschließenden Fahrradkorso hatte die Polizei für zehn Minuten die Berliner Straße für den Kfz Verkehr in beiden Richtungen voll gesperrt, was die Veranstalter gar nicht beantragt hatten. Aber die Polizei fand es zu gefährlich, wenn sich fünfzig Radfahrende (eigentlich kein unnormales Aufkommen) gleichzeitig mit dem Kfz-Verkehr durch die Berliner Straße in Tegel bewegen…

Heiner von Marschall, Landesvorsitzender
Der VCD Nordost ist der Landesverband für Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.


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