Gedicht September 19 ~ Kai Bruchmann


   

Der alte Mann
   

   

Jeden Tag fuhr ich mit der U-Bahn
immer von Tegel um kurz nach acht
die Arbeit rief, ich folgte immer wieder
alles war stets gleich und der Ablauf bieder
und so keine Gedanken über anderes gemacht.

Jeden Tag am gleichen Platz
sah ich einen alten Mann
seine Kleider nicht fein
sein Bart lang und ungepflegt
keine Ahnung, warum das so ist
und er ein solches Schicksal trägt.

Ich sah ihn auch am Nachmittag
auf einer Bank oft liegen
wie andere Fahrgäste auch schritt ich vorbei
ohne Gewissen und einfach nur verschwiegen.

Wer war dieser ältere Herr
und warum ist sein Leben so schwer?
Der Winter kam und es war bitterkalt
es blieben Gefühllosigkeit und Einfalt.

Der Mann lag bei Kälte
in der Fußgängerzone auf einer Bank
der Schnee fiel dicht
ich trat zu dem alten Mann
und sah ich sein Gesicht.

Ich sah in seine traurigen Augen
und lud ihn zu einem Kaffe ein
und ich konnte es kaum glauben
seine Worte waren gewählt und fein.

Er sprach über viele schöne Dinge
über Freude und Vergangenheit
über sein neues spätes Leben
ohne Greul, ohne Neid und ohne Leid.

Leider sah und traf ich ihn nie wieder
doch jedes Mal zucken meine Glieder,
wenn ich arme und hilfsbedürftige Menschen sehe
und dann nicht wieder feige daran vorbeigehe.

Lasset uns doch immer helfen
Gott schenkt uns die Barmherzigkeit
der nächste Winter kommt
dann ist es unsere Chance, dann ist es soweit.

Grüße – Ihr Kai Bruchmann
– Tel. 030 49 87 37 35


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