GAS – Leser bemerken …

Unser KiEZBLATT-Leser Bernd B. schickte uns Folgendes zum nächtlichen Stadtbild:

BERLINS NEUE GIFTPILZE

Sie schießen wie Pilze aus dem Boden. Wie Giftpilze! Wo sich gestern noch ein anmutiges, heimeliges Gaslaternen-Ensemble befand, wächst quasi über Nacht etwas Ekliges aus dem Boden…. berichteten wir bereits über sogenannte „UFO-Laternen“, die mehr und mehr im Stadtbild auftauchen. Vor allem in den östlichen Bezirken, wo Gaslaternen ohnehin eher selten waren und erst nach 1990 wieder Dank der GASAG eine Renaissance erlebten, wurden in den letzten Jahren zahlreiche dieser exorbitant hässlichen Lichtständer aufgestellt, vorhandene Gaslaternen, vor allem Hänge- und Aufsatzleuchten wurden gnadenlos abgerissen.

Inzwischen trifft es aber auch die ehemaligen West-Bezirke. Offenbar wahllos und ohne irgendeinen Plan werden beispielsweise in Berlin-Lichtenrade Gaslaternen entfernt – mal hier, mal da – und anstelle dieser die furchtbaren LED-Strahler hingepflanzt. Einfach mittenrein in ein Band mit Gaslaternen, quasi wie eine Duftmarke der Berliner Senatsverwaltung.

Die LED-Funzeln spotten schon städtebaulich jeder Beschreibung, die Maste und damit auch die Lichtpunkthöhen sind deutlich höher als die der Gasleuchten und liegen bei 4,50 bis fünf Metern. Darauf sind dann die LEDTeller montiert, deren knall-grelles Licht nicht nur zahlreiche Grundstücke in kalkweißes Licht taucht, sondern auch in Wohn- und Schlafzimmer hineinbrettert. Zudem sorgt diese Leuchte für einen Lichtsmog sonders gleichen. Wer steckt hinter diesen Verschandelungen des Ortsbildes?

HERR GAEBLER UND SEINE GASLICHT-IMITATE

Allerdings finden sich auch immer noch die sogenannten Gaslaternen-Fakes, also Laternen, die optisch an Gasaufsatzleuchten erinnern, jedoch mit LED ausgerüstet sind.

Zu Tausenden wurden diese Gaslicht-Imitatleuchten in Berlin aufgestellt. In Spandau, in Charlottenburg oder auch Neukölln. Wir erinnern uns, dass es der für Beleuchtung zuständige Staatssekretär Christian Gaebler war, der den Berlinern vor einigen Jahren versprach, das Aussehen der Gaslaternen und deren Licht würde sich nicht ändern. So feixte Gaebler am 26. Juni 2014 stolz wie Bolle in die Kameras, zum Beispiel der RBB-Abendschau und verkündete den Berlinern, die Gaslaternen würden eins zu eins gegen optisch baugleiche LED-„Gaslicht-Imitat-Leuchten“ ausgetauscht, auch viele Laternenmaste würden weiterverwendet. Im Januar 2016 resümierte Gaebler zur „Umrüstung“ von Gaslaternen auf elektrische Gaslicht-Attrappen gegenüber dem „Spandauer Volksblatt“ und der „Berliner Morgenpost“, „das Ergebnis spricht für sich. Die Resonanz der Bürger ist auch positiv.

Man habe bewusst diesen Weg der Umrüstung gewählt, weil das LED-Licht die Straßen genauso beleuchten kann, wie es zuvor die Gaslaternen getan haben.“ Und er – Gaebler – habe versprochen, „dass sich diese moderne Straßenbeleuchtung in das Stadtbild einfügt und den Charakter der Quartiere nicht verändert“.

BELOGEN UND BETROGEN?

Inzwischen fragen wir uns, ob und wie sehr uns dieser Politiker, ein Mann, der stets im Schatten des Regierenden Bürgermeisters agierte und die Strippen zog, die Öffentlichkeit belogen hat? Denn von der weiteren Aufstellung dieser Gaslaternen-Attrappen scheint ja nun nicht mehr die Rede zu sein, vielleicht ist dem Senat diese Form des Beleuchtungsaustauschs zu teuer. Stattdessen setzt die Senatsverwaltung jetzt auf technisch einfache und optisch grauenhafte Leuchten der Marke „tänzelnde Untertasse auf Regenrohr“.

Es steht zu vermuten, dass die Senats-Verantwortlichen die Reaktionen der betroffenen Berliner Bevölkerung austesten wollen. Gibt es nennenswerten Widerstand, ja richtigen Knatsch wegen des Aufstellens dieser Elektrofunzeln? Oder nehmen es die Anwohner mit Gleichmut und der bisweilen schon bekannten „Wurschtigkeit“ einfach hin, dass die „Blendgranaten“ in ihre Wohnzimmer strahlen? Gibt es doch einmal eine Reaktion von Anwohnern, so werden offenbar Nebelkerzen gestreut. Angeblich seien diese „UFO-Leuchten“ nur ein Provisorium. Doch aus Insiderkreisen hörten wir, dass diese „Untertasse“ die künftige Standard-Laterne in Berlin werden soll.

Man will also wie es scheint die Akzeptanz der Berliner ausloten. Und wenn die Proteste ausbleiben, geht es los mit dem Zupflastern Berlins mit diesem ekligen Lichtmast, der so auch in Castrop-Rauxel oder Mülheim-Kärlich stehen könnte.

Mit Berlin und dem gewachsenen Stadtbild hat dieses Teil nichts zu tun, im Hinblick auf Berlins Straßenraum ist dieses Ungetüm ein Desaster.

VERSCHWINDEN DIE GUSSEISERNEN MASTE?

Es sollen also wahrscheinlich – bis auf die angeblich 3.300 unter Schutz gestellten – alle Gaslaternen samt gusseiserner Bündelpfeiler verschwinden. Viele Gaskandelaber wurden bereits auf den Schrott geworfen, ihr historischer Wert, etliche waren über 130 Jahre alt, spielte keine Rolle. Bis auf besagte wenige Reste, die der Senat versprochen hatte, stehen zu lassen. Doch glaubhaft ist selbst das nicht.

Denn auch die Zusage, die elektrisch betriebenen Gaslaternen-Attrappen würden ein Licht genau wie Gaslicht spenden, ist Stand heute als unwahr zu entlarven. Das Licht der Attrappen ist schon seit langem deutlich weißer, dürfte eher 3.000 Kelvin Farbtemperatur haben. Gaslicht hat eine Temperatur von 2.700 Kelvin. Die ersten Fakes (damals auch gern als „Gasersatzleuchte“ bezeichnet), die Staatssekretär Gaebler einst der Öffentlichkeit vorstellte, leuchteten noch mit dieser Gaslicht-Farbe, doch das wurde klammheimlich schon bald geändert.
Nico Wolf

PMM


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